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Erst Party, dann Notaufnahme - Projekt an der Kreisklinik Roth: Jugendlichen „HaLT“ geben
LANDKREIS ROTH — Um dem bundesweiten Trend des Alkoholkonsums bei Jugendlichen entgegenzuwirken, wurde das Projekt HaLT (Hart am Limit) auch an der Kreisklinik Roth gestartet.
HaLT bezeichnet ein bundesweites Präventionsprojekt für Kinder und Jugendliche mit hohem Alkoholkonsum. Enger Kooperationspartner der Kreisklinik Roth bei der Umsetzung des Projektes ist das Bezirksjugendwerk der Arbeiterwohlfahrt. Eine Informationsveranstaltung mit allen Beteiligten der Kreisklinik, der Suchtberatung des Diakonischen Werkes, des Gesundheitsamtes Roth und des Krisendienst Mittelfranken schaffte somit Klarheit für den Sommer 2010.
Eine ganz normale Schicht
Ein ganz normaler Tag in der Kreisklinik: Pfleger Heinz beginnt um 21.30 Uhr als Krankenpfleger seinen Nachtdienst auf der Intensivstation.
Auf der Station geht es hektisch zu, denn die Kollegen der Spätschicht sind noch mit „Aufräumen“ beschäftigt. Ein Patient wurde gerade erfolgreich wiederbelebt (reanimiert) und anschließend an die Beatmungsmaschine angeschlossen. So hat der Krankenpfleger zu Dienstbeginn weder Gelegenheit seine Patienten zu begrüßen, noch ausreichend Zeit, sich in die Krankengeschichte der neuen Patienten einzuarbeiten. Er muss sofort „mit ran“ um auf Station wieder Ordnung zu schaffen, nachzuarbeiten und um die anderen Patienten zu versorgen. Bis dahin normaler Alltag auf einer Intensivstation.
Kurz darauf klingelt das Telefon: Die Notaufnahme kündigt eine junge Frau an, sie ist gerade 16 Jahre alt geworden und hat drei Promille Alkohol im Blut. Auf Deutsch: Sie hat eine „Alkoholvergiftung“. Die Jugendliche schwebt an ihrem 16. Geburtstag, dieser war der Anlass der Party, in akuter Lebensgefahr.
In der beschriebenen Situation, also bereits in der Klinik, greift das Präventionsprojekt Ha LT. Das Angebot für „Kinder und Jugendliche mit riskantem Alkoholkonsum“ setzt mit seinem präventiven Charakter bereits in der Notaufnahme oder der Intensivstation der Kreisklinik Roth an und bietet den betroffenen Jugendlichen und ihren Eltern Hilfe.
In Bayern wurden im Jahr 2008 exakt 5432 Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 19 Jahren mit den Diagnosen „Verhaltensstörungen durch Alkohol, Akute Intoxikation (akuter Rausch) und Toxische Wirkungen von Äthylalkohol“ behandelt. Im Jahr zuvor waren es noch 2632 Kinder und Jugendliche.
Mögliche akute medizinische Komplikationen einer Alkoholintoxikation sind: Entgleisungen im Säure-Base-Haushalt mit der Folge von Hirnschwellungen und Nierenversagen; Kaliummangel, aufgrund des Einflusses auf die Muskel- und Nerventätigkeit resultiert hier die Gefahr möglicher Herzrhythmusstörungen; Unterzuckerung; Unterkühlung; Erbrechen in Kombination mit Reflexlähmungen: Todesfälle durch Ersticken; Epileptische Anfälle und Hirninfarkte.
Als langfristige gesundheitliche Schäden werden vor allem Auswirkungen auf das sich noch in der Entwicklung befindliche Gehirn sowie ein erhöhtes Abhängigkeitsrisiko diskutiert. Das jugendliche Gehirn ist verschiedenen Reifungsprozessen und strukturellen Veränderungen ausgesetzt. Diese Reifungsprozesse erhöhen die Empfindlichkeit für akute Alkoholwirkungen sowie für alkoholbedingte Langzeitschäden.
Gespräch anbieten
Nach medizinischer Behandlung in der Klinik besteht für die Jugendlichen und deren Eltern die Möglichkeit, ein Gespräch mit einem Mitarbeiter der örtlichen Suchtberatung oder des Psychosozialen Krisendienstes Mittelfranken in Anspruch zu nehmen.
Die doppelte Präventionsstrategie des Konzeptes besteht aus dem sogenannten reaktiven Baustein des Konzeptes – bereits im Krankenhaus werden mit dem sozialpädagogischen Gesprächsangebot (Brückengespräch, Elterngespräch) die Betroffenen und Eltern erreicht. Komplettiert wird der reaktive Bereich durch ein pädagogisches Angebot (Risiko-Check) sowie ein Abschlussgespräch auf freiwilliger Basis (Verhaltensprävention). Daneben zielt der sogenannte proaktive Bereich durch die Gründung regionaler Präventionsnetzwerke auf eine verbesserte Einhaltung des Jugendschutzes (Verhältnisprävention) sowie auf die Bündelung präventiver Aktivitäten, um riskante Trinkmuster bereits im Vorfeld zu minimieren.
Dazu zählen Präventionsvereinbarungen für den Ausschank alkoholischer Getränke an Jugendliche mit Festveranstaltern, Gastronomiebetreibern und Sportvereinen ebenso wie die Zusammenarbeit mit Krankenhäusern und Behörden. Ziel ist es, riskantes Rauschtrinken zu verhindern durch Verantwortung und Vorbild.
ⓘ Weitergehende Informationen zum Präventionsprojekt HaLT in Bayern finden Interessierte und Betroffene im Internet unter www.halt-in-bayern.de
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Foto: Monitoring auf der Intensivstation





