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Schon Shakespeare wusste Demenz zu deuten
ROTH/HILPOLTSTEIN — Die Kreisklinik Roth bietet Angehörigen von „Demenz“-Patienten ihre Hilfe an. Sie können sich über das Krankheitsbild „Demenz“ informieren und werden bei der Betreuung ihrer erkrankten Angehörigen unterstützt.
„Unser Opa wird im Alter immer vergesslicher und zieht sich zunehmend zurück. Aber das ist doch völlig normal.“ — Sprüche wie diese kennt fast jeder. Aber ist es wirklich immer so „normal“ und zwangsläufig, dass sich alte Menschen in diese Richtung verändern?
Nicht selten werden beim Umgang mit demenzerkrankten Menschen die Angehörigen zu Hause, aber auch das Personal im klinischen Bereich überfordert. Mario Zuin, Fachkrankenpfleger für Gerontopsychiatrie und Mitglied der Beratungsgruppe „Demenz“, kennt die Gründe: „Es ist sehr schwer im alltäglichen Umgang mit diesen Patienten, bestimmte alterungsbedingte Verhaltensweisen von einer vorliegenden Erkrankung abzugrenzen“.
Dazu komme, so Zuin weiter, dass zwar einige inzwischen auch im alltäglichen Sprachgebrauch eingebürgerten Krankheitsbegriffe wie Alzheimer Krankheit, Depression, Morbus Parkinson und Demenz in ihrer Symptomatik sehr eng beieinander liegen würden, in der Praxis aber vom Fachpersonal eine sehr unterschiedliche Betreuung verlangt werde. Obwohl die direkte Übersetzung des lateinischen Wortes „demenzia“ im Deutschen „Verrücktheit“ bedeute und einiges erkläre, helfe der sprachliche Ansatz kaum weiter.
Was kennzeichnet diese Krankheit, an der inzwischen von den 75- bis 79-jährigen Bürgern bereits sechs Prozent und im Alter zwischen 80 und 84 Jahren 13 Prozent betroffen sind? Shakespeare, so Mario Zuin, beschreibe in „King Lear“ treffend den demenziellen Zustand eines Menschen und skizziere detailliert die Verwirrung, welche das Krankheitsbild bei Menschen schon damals auslöste: „Mir scheint, ich sollte Euch kennen, und diesen Mann auch, doch ich bin im Zweifel; denn ich bin völlig im unklaren, was für ein Ort dies ist, und alle Kenntnis, die ich habe, erinnert sich nicht an diese Kleider; auch weiß ich nicht, wo ich letzte Nacht gewohnt habe“.
Das Leitsymptom aller Demenz-Erkrankungen ist die Störung des Gedächtnisses, anfänglich vor allem des Kurzzeitgedächtnisses. Später verlieren sich auch die länger zurückliegenden Gedächtnisinhalte. Im weiteren Verlauf der Krankheit kommen nach den Erfahrungen Zuins auf der geriatrischen Rehabilitationsstation der Kreisklinik weitere Störungen der Hirnfunktion wie beispielsweise Wortfindungsstörungen, Rechenstörungen und Störungen der Raumwahrnehmung hinzu. Als Folge dessen verlaufen sich die Betroffenen sogar in vertrauter Umgebung.
„Bröckelnde Fassade“
Zumindest im Anfangsstadium, besonders bei Menschen mit ehemals vielen sozialen Kontakten, ist laut Zuin die äußere Fassade noch gut erhalten und die Gedächtnisstörungen können oberflächlich gut überspielt werden. Später schwäche sich die Eigeninitiative der Erkrankten immer mehr ab, ihre Hobbys, die Körperpflege sowie das Aufräumen der Wohnung litten mehr und mehr unter der Krankheit. Am Ende sei der Patient nicht mehr in der Lage, sich ausreichend zu ernähren.
Die Kreisklinik bietet allgemeine Informationen zum Thema „Demenz“ sowie Anregungen und Tipps zum Umgang mit dementen Personen. Das Beratungsangebot richtet sich primär an die Angehörigen der Patienten und ist kostenlos.
Inzwischen gibt es Tests, um mit größter Wahrscheinlichkeit festzustellen, ob ein Patient an Demenz leidet. Diese Tests können teilweise auch in der Kreisklinik durchgeführt werden.
Das Beratungsangebot der Kreisklinik umfasst Informationen über die verschiedenen Testmöglichkeiten, Hilfe bei der alltäglichen Versorgung zu Hause, Informationen über Möglichkeiten und Techniken einer verbesserten Kommunikation mit dem erkrankten Angehörigen sowie die Weiterversorgung nach dem Klinikaufenthalt. Ratsuchende können sich jeden ersten und dritten Montag im Monat von 14 bis 15 Uhr und nach Vereinbarung an die Kreisklinik wenden. Ansprechpartner sind Mario Zuin, Krankenpfleger, Fachpfleger für Gerontopsychiatrie sowie die Leitungen der Geriatrischen Rehabilitationsabteilung.
Weitere Informationen im Internet unter www.kreisklinik-roth.de unter Pflege/ Pflegeberatung sowie unter Telefon (0 91 71) 80 24 43 oder Fax (0 91 71) 80 23 95




