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Wenn kein „Zivi“ mehr das Frühstück macht - Fällt beim Aussetzen der Wehrpflicht auch der Zivildienst weg, müssen viele soziale Dienste umdenken
Die erneute Diskussion um eine Aussetzung der Wehrpflicht gibt ihnen nun neue Nahrung.
„Um unseren derzeitigen Bestand und Service aufrecht zu erhalten, sind wir auf Zivis angewiesen“, fügt Abt hinzu.
Schon die Verkürzung von neun auf sechs Monate stelle eine für die Sozialdienste tragische Tendenz dar. Es lohne sich einfach nicht, Menschen für ein halbes Jahr zu beschäftigen, von dem noch Einarbeitungszeit, Urlaub und Fortbildung abgehen und am Ende nur ein kurzer Zeitraum übrig bleibt, in dem der Zivildienstleistende seine Arbeit verrichtet.
Mit seinen Plänen, die Wehrpflicht auszusetzen, hat Karl-Theodor zu Guttenberg eine breite Debatte über Vorund Nachteile der Wehrpflicht angestoßen. Die Diskussion über die Folgen für den Zivildienst tritt dagegen meist in den Hintergrund.
Werde die Wehrpflicht ausgesetzt, falle zwangsläufig auch die Pflicht zum Zivildienst weg, erklärte der Geschäftsführer der Zentralstelle für Kriegsdienstverweigerer, Peter Tobiassen, auf eine DAPD-Anfrage.
Laut Tobiassen ist es kein Problem, die derzeit 60 000 Zivildienstleistenden durch Freiwillige oder regulär beschäftigte Hilfskräfte zu ersetzen. Auch das Familienministerium sieht das Ende des Zivildienstes optimistisch. Die soziale Infrastruktur sei in jedem Fall gesichert, ließ das Ministerium verlauten.
Werner Rupp, Leiter der Rother Kreisklinik, ist gespaltener Meinung: „Aus betriebswirtschaftlicher Perspektive würde es nicht den Untergang bedeuten, da bisher Zivildienstleistende bei uns keine regulären Arbeitskräfte ersetzt haben. Aber das Fehlen der Zivis würde sich bemerkbar machen, da sie bei Hilfstätigkeiten fehlen und Tätigkeiten wie Gespräche zu kurz kommen könnten.“ Aktuell sind im Rother Krankenhaus nur noch zwei von ehemals zehn Zivis beschäftigt, eine Folge der Verkürzung der Dienstzeit. Als sehr wichtig erachtet Rupp aber noch einen anderen Aspekt: Der Dienst an der Gesellschaft im sozialen Bereich könne durchaus eine Bereicherung für die jungen Leute darstellen und zudem eine Berufs- oder Studienorientierung bieten. Ähnlich wird das Thema bei der Diakonie eingeschätzt.
Das Wegfallen der Zivis werde sich zwar nicht allzu dramatisch auf die diakonischen Pflegedienste auswirken. Schade wäre es aber für die Patienten, die sich immer über den Kontakt zu den jungen Männern freuten.
Ende zu Lasten der Senioren
Als weit verheerender beurteilt Maria Langohr, Zivildienstbeauftragte des Rother Ortsverbands der Arbeiterwohlfahrt, die Entwicklungen: „Wir sind in den Sozialstationen angewiesen auf Zivis. Mögliche Alternativen kosten zu viel, und deswegen wird ein Ende des Zivildienstes zu Lasten alter Leute mit wenig Geld gehen.“ Die Awo in Roth beschäftigt zur Zeit noch vier Zivildienstleistende, die im mobilen sozialen Hilfsdienst eingesetzt sind. Sie kaufen ein, bieten Fahrdienste an oder kümmern sich auch schon einmal um das Frühstück. Davon profitieren alte Menschen, die auf diese Weise ein bezahlbares Hilfsangebot in Anspruch nehmen können und so länger zumindest teilweise selbstständig bleiben.
Keine der befragten Einrichtungen plant, den Arbeitsausfall zu ersetzen, indem sie neue, reguläre Stellen schafft. Entweder sei das finanziell nicht zu bewerkstelligen oder nicht nötig, wenn Zivildienstleistende nur unterstützende Aufgaben übernehmen.
Dass Alternativen geschaffen werden müssen, scheint aber außer Frage zu stehen. Hinzu kommt, dass der Pflegebedarf für alte Menschen in der Gesellschaft in den nächsten Jahren weiter steigen wird. Auf welche Weise versucht werden wird, diese Alternativen zu gestalten – ob durch das freiwillige soziale Jahr oder durch den freiwilligen Zivildienst –, bleibt unklar. Genauso wie die Frage, ob überhaupt genug Freiwillige zur Verfügung stehen, die bereit wären, sich im sozialen Bereich zu betätigen. jt





